Stand: 27. Juli 2026

DATEV

DATEV ist eine deutsche Genossenschaft, die Software und IT-Dienste für Steuerberater und deren Mandanten bereitstellt.

Einfach erklärt

DATEV ist ein deutsches Unternehmen, das Software für die Buchhaltung und Steuerarbeit anbietet. Vor allem Steuerberater arbeiten damit, um die Zahlen ihrer Kunden zu verwalten, Steuererklärungen vorzubereiten und Daten an das Finanzamt zu übermitteln.

Für Selbstständige und kleine Unternehmen ist vor allem ein Punkt wichtig: Viele Rechnungsprogramme können ihre Daten in einem speziellen Format speichern, das der Steuerberater direkt in DATEV einlesen kann. So muss niemand mehr Zahlen mühsam von Hand abtippen. Man spricht dann von einer DATEV-Schnittstelle. Wichtig zu wissen: DATEV ist kein Amt und keine Behörde, sondern ein privates Unternehmen.

Im Detail

DATEV ist die Kurzform für die DATEV eG, eine 1966 in Nürnberg gegründete Genossenschaft. Der Name stand ursprünglich für „Datenverarbeitungsorganisation der steuerberatenden Berufe“; diese Auflösung ist heute allerdings nur noch von historischer Bedeutung - offiziell wird „DATEV“ als eigenständiger Eigenname geführt. Heute zählt DATEV mit rund einer Million Kunden und über 40.000 Mitgliedern (Stand Mitte 2026) zu den größten Softwareunternehmen Deutschlands und Europas und betreibt eines der größten Rechenzentren des Landes.

Das Angebot umfasst Software und Cloud-Lösungen für Finanzbuchführung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Steuererklärungen, Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) sowie den Datenaustausch zwischen Mandanten, Steuerberatern und Behörden. Im Kontext der Buchhaltung sind insbesondere folgende Begriffe relevant:

  • DATEV-Schnittstelle / DATEV-Format / DATEV-Export: ein standardisiertes Datenformat (häufig als CSV-Datei, der sogenannte „DATEV-Buchungsstapel“), mit dem Buchhaltungsdaten aus einer Software exportiert und in DATEV-Programme importiert werden können.
  • DATEV-Buchungsstapel: eine Sammlung von Buchungssätzen, die gebündelt importiert werden.
  • DATEV Unternehmen online: eine Cloud-Plattform, über die Mandanten Belege digital erfassen, hochladen und mit ihrem Steuerberater austauschen.
  • SKR03 und SKR04: die beiden gängigsten Standard-Kontenrahmen in Deutschland, die die Konten der Buchführung strukturieren.

Das DATEV-Format ist dabei kein gesetzlich vorgeschriebener Standard, sondern ein De-facto-Branchenstandard, der sich aufgrund der starken Verbreitung von DATEV im deutschen Steuerberatungsmarkt etabliert hat.

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Ein Blick in die Praxis

Für Freelancer, Gründer und kleine Unternehmen spielt DATEV vor allem an der Schnittstelle zum Steuerberater eine Rolle. Ein typisches Szenario kann so aussehen:

Eine selbstständige Grafikerin schreibt ihre Rechnungen über eine Rechnungssoftware. Am Ende jedes Quartals exportiert sie ihre Daten mit wenigen Klicks im DATEV-Format und übermittelt sie an ihren Steuerberater. Dieser importiert die Buchungssätze direkt in seine DATEV-Programme. Das Ergebnis: Kein mühsames manuelles Abtippen, weniger Fehlerquellen und eine Zeitersparnis beim Steuerberater - was sich oft auch in geringeren Kosten niederschlägt.

Nicht ohne Grund ist „Hat eure Software eine DATEV-Schnittstelle?“ eine der ersten Fragen, die viele Steuerberater ihren neuen Mandanten stellen. Eine DATEV-kompatible Rechnungs- und Buchhaltungssoftware ist daher ein echtes Verkaufsargument und ein Komfortfaktor.

Selbst buchen oder abgeben?

Relevant ist die Unterscheidung zwischen Nutzern, die selbst buchen, und solchen, die alles dem Steuerberater überlassen. Wer die Buchhaltung selbst erledigt - etwa über die EÜR - nutzt die DATEV-Schnittstelle als Brücke zur Kanzlei. Wer ohnehin alles abgibt, profitiert von der reibungslosen Datenübergabe. In beiden Fällen sorgt das einheitliche Format dafür, dass die Daten den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Buchführung (siehe GoBD) leichter gerecht werden.

Etwas Geschichte am Rande

DATEV wurde 1966 vom Steuerberater Heinz Sebiger gegründet - aus dem Wunsch heraus, die damals neue und teure Computertechnik gemeinschaftlich nutzbar zu machen, weil sich einzelne Kanzleien Großrechner nicht leisten konnten. Diese genossenschaftliche Idee macht DATEV bis heute ungewöhnlich: Die Mitglieder, überwiegend Angehörige der steuerberatenden Berufe, sind zugleich Eigentümer. Lange bevor „Cloud“ zum Modewort wurde, verarbeitete DATEV bereits zentral riesige Datenmengen in einem der sichersten Rechenzentren Deutschlands.

Was es nicht bedeutet

  • DATEV ist kein Behörden- oder Finanzamtsdienst: DATEV ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen in Form einer Genossenschaft, kein Amt. Die Software wird zwar zur Kommunikation mit dem Finanzamt genutzt, ist aber nicht das Finanzamt selbst.
  • DATEV ist nicht „eine einzige Software“: Es handelt sich nicht um eine einzelne App, sondern um ein ganzes Ökosystem aus hunderten Produkten und Diensten.
  • Man braucht nicht zwingend DATEV selbst: In der Praxis nutzt meist der Steuerberater die DATEV-Programme. Mandanten benötigen häufig nur eine Software mit DATEV-kompatibler Schnittstelle oder einen Zugang zu „DATEV Unternehmen online“ - keine eigene, teure DATEV-Lizenz.
  • Das DATEV-Format ist kein offizieller gesetzlicher Standard: Es ist ein verbreiteter Branchenstandard, aber keine gesetzlich vorgeschriebene Norm.
  • DATEV ersetzt keinen Steuerberater: Die Software unterstützt die Arbeit, ersetzt aber nicht die fachliche Beratung.

Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.