Burn Rate
Die Burn Rate gibt an, wie viel Kapital ein Unternehmen pro Monat aufbraucht, bevor es profitabel arbeitet.
Einfach erklärt
Die Burn Rate - wörtlich übersetzt die „Geldverbrennungsrate“ - beschreibt, wie schnell ein Unternehmen sein vorhandenes Geld ausgibt. Stellen Sie sich vor, ein junges Unternehmen hat noch keine oder nur geringe Einnahmen, muss aber trotzdem Gehälter, Miete und andere Kosten bezahlen. Jeden Monat fließt also mehr Geld ab, als hereinkommt - dieses „Loch“ ist die Burn Rate.
Ein einfaches Bild: Das verfügbare Geld ist wie der Treibstoff eines Flugzeugs. Die Burn Rate zeigt, wie schnell der Tank leer wird. Je höher sie ist, desto schneller geht der Treibstoff zur Neige - und desto wichtiger ist es zu wissen, wie lange das Geld noch reicht.
Im Detail
Die Burn Rate ist eine betriebswirtschaftliche Steuerungs- und Controlling-Kennzahl, die die Geschwindigkeit des Kapitalverbrauchs misst - üblicherweise als monatlicher Betrag. Sie stammt ursprünglich aus der Start-up- und Venture-Capital-Szene und ist heute eine zentrale Größe zur Beurteilung der finanziellen Gesundheit junger Unternehmen, die ihre laufenden Kosten aus Eigenkapital oder Investorengeldern finanzieren.
Gross Burn Rate und Net Burn Rate
Man unterscheidet zwei Formen: Die Gross Burn Rate (Bruttoverbrennungsrate) umfasst die gesamten monatlichen Betriebsausgaben - Gehälter, Miete, Software, Marketing usw. - ohne Berücksichtigung der Einnahmen. Gibt ein Unternehmen monatlich 50.000 € aus, beträgt die Gross Burn Rate 50.000 €. Die Net Burn Rate (Nettoverbrennungsrate) zieht die Einnahmen ab und zeigt damit den tatsächlichen monatlichen Kapitalverlust: Bei 50.000 € Ausgaben und 20.000 € Einnahmen liegt sie bei 30.000 €. Diese Kennzahl ist meist aussagekräftiger, weil sie die reale Geschwindigkeit des Kapitalverbrauchs widerspiegelt.
Zusammenhang mit dem Runway
Eng verbunden ist der Runway (deutsch „Start-/Landebahn“), der angibt, wie viele Monate ein Unternehmen mit dem aktuell verfügbaren Kapital noch überleben kann. Berechnung: Runway (in Monaten) = vorhandenes Kapital ÷ Net Burn Rate. Bei 300.000 € Kapital und einer Net Burn Rate von 30.000 € beträgt der Runway also 10 Monate. Diese Kennzahl ist entscheidend, um rechtzeitig zu erkennen, wann eine neue Finanzierungsrunde oder das Erreichen der Profitabilität nötig wird.
Berechnung über einen Zeitraum
Eine gängige Methode: Man nimmt den Kassenbestand zu Beginn eines Zeitraums, zieht den Kassenbestand am Ende ab und teilt das Ergebnis durch die Anzahl der Monate. Hatte ein Unternehmen zu Jahresbeginn 600.000 € und am Jahresende 300.000 €, ergibt sich ein Verbrauch von 300.000 € über 12 Monate - also eine durchschnittliche Burn Rate von 25.000 € pro Monat. Streng genommen bildet diese über einen Zeitraum ermittelte Kennzahl die durchschnittliche Gross oder Net Burn Rate ab - je nachdem, ob im betrachteten Kassenbestandsverlauf bereits Einnahmen verrechnet sind oder nicht. In der reinen Kassenbestandsbetrachtung ist es faktisch meist die Net Burn Rate, da im Kontostand sämtliche Ein- und Auszahlungen bereits saldiert sind; Finanzierungszuflüsse wie frisches Investorenkapital müssen dabei herausgerechnet werden, da sie die Kennzahl sonst verfälschen. Anders als der bilanzielle Verlust bezieht sich die Burn Rate dabei auf den tatsächlichen Geldabfluss aus der Cashflow-Perspektive und blendet nicht zahlungswirksame Posten wie Abschreibungen aus.
Mit BillMore starten
30 Tage kostenlos testen
Erstellen Sie sich kostenfrei einen Account und testen Sie BillMore mit fast allen Funktionen - ohne Risiko.
Ein Blick in die Praxis
In der Praxis ist die Burn Rate vor allem im Gespräch mit Investoren ein zentrales Thema. Venture-Capital-Geber und Business Angels prüfen sie genau, um einzuschätzen, wie effizient ein Start-up mit Kapital umgeht und wann die nächste Finanzierungsrunde nötig wird. Eine zu hohe Burn Rate bei gleichzeitig geringem Wachstum gilt als deutliches Warnsignal.
Ein anschauliches Lehrbeispiel waren viele Start-ups während der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende: Sie verbrannten enorme Summen, ohne ein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben. Als das Investorenkapital versiegte, mussten zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden - ein klassischer Beleg dafür, dass eine hohe Burn Rate ohne realistischen Weg zur Profitabilität gefährlich ist. Auch in jüngerer Zeit, etwa bei steigenden Zinsen und zurückhaltenderen Investoren, gewinnt die Kontrolle der Burn Rate stark an Bedeutung. Der vom Start-up-Investor Paul Graham geprägte Begriff „Default Alive vs. Default Dead“ bringt die entscheidende Frage auf den Punkt: Würde ein Unternehmen bei gleichbleibendem Kurs aus eigener Kraft profitabel (alive) - oder geht ihm vorher das Geld aus (dead)?
Ein konkretes Szenario
Angenommen, ein kleines Software-Start-up startet mit 240.000 € auf dem Konto. Die monatlichen Ausgaben für Gehälter, Server und Büro liegen bei 40.000 €, die Einnahmen aus ersten Kunden bei 10.000 €. Die Net Burn Rate beträgt damit 30.000 € pro Monat - das Geld reicht also noch acht Monate (Runway). Das Gründungsteam zieht mehrere Hebel: Es senkt Fixkosten, beschleunigt den eigenen Rechnungseinzug durch kürzere Zahlungsziele und ein konsequentes Mahnwesen und verzichtet auf nicht zwingend nötige Investitionen. Schon im Folgemonat sinkt die Burn Rate auf 20.000 € - und der Runway verlängert sich spürbar.
Auch für Freelancer und Kleinunternehmer relevant
Selbst wer keine Investoren hat, profitiert vom Denken in Burn Rate und Runway: Zu wissen, wie lange die eigenen Rücklagen beim aktuellen Ausgabenniveau reichen, schafft Sicherheit in der Liquiditätsplanung. Grundvoraussetzung dafür ist eine saubere, aktuelle Erfassung von Einnahmen und Ausgaben - etwa über eine Rechnungs- und Buchhaltungssoftware. Erst damit lässt sich die Kennzahl überhaupt zuverlässig ermitteln und der eigene „Treibstoffvorrat“ jederzeit im Blick behalten.
Was es nicht bedeutet
- Burn Rate ist nicht gleich „schlechtes Wirtschaften“. Eine hohe Burn Rate ist nicht automatisch negativ. Gerade Wachstumsunternehmen investieren bewusst hohe Summen in Personal, Produktentwicklung oder Marketing, um schnell zu skalieren. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Burn Rate, Wachstum und verbleibendem Runway.
- Burn Rate ist keine buchhalterische Pflichtkennzahl. Sie ist gesetzlich nicht vorgeschrieben und taucht weder in der offiziellen Buchführung noch in der EÜR oder im Jahresabschluss auf. Sie dient allein der internen Steuerung und dem Controlling.
- Burn Rate ist nicht dasselbe wie Verlust im handelsrechtlichen Sinne. Die Burn Rate bezieht sich auf den tatsächlichen Geldabfluss, während der bilanzielle Verlust auch nicht zahlungswirksame Posten wie Abschreibungen enthält. Ein Unternehmen kann bilanziell Verlust ausweisen, aber eine ganz andere Burn Rate haben - und umgekehrt.
- Burn Rate betrifft nicht nur Start-ups. Auch etablierte Unternehmen nutzen die Kennzahl in Krisensituationen, bei Expansionen oder Restrukturierungen, um ihre Liquiditätsreserven zu überwachen.
Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.