Runway
Der Runway gibt an, wie viele Monate ein Unternehmen mit seinem vorhandenen Geld noch zahlungsfähig bleibt, wenn sich Einnahmen und Ausgaben nicht ändern.
Einfach erklärt
Der Begriff Runway kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich „Start- und Landebahn“. Im Geschäftsleben beschreibt er, wie lange das Geld eines Unternehmens noch reicht, bevor es aufgebraucht ist - vorausgesetzt, es kommt genauso viel rein und geht genauso viel raus wie bisher.
Das Bild dahinter ist eingängig: So wie ein Flugzeug eine bestimmte Strecke Landebahn braucht, um abzuheben, braucht ein Unternehmen genug finanziellen Vorlauf, um profitabel zu werden - bevor die Bahn, also das Geld, zu Ende ist.
Ein einfaches Beispiel: Wer 5.000 Euro Rücklage hat und jeden Monat 1.000 Euro mehr ausgibt, als einnimmt, hat einen Runway von fünf Monaten. Nach dieser Zeit wäre das Geld rechnerisch aufgebraucht. Der Runway wird üblicherweise in Monaten angegeben.
Im Detail
Der Runway bezeichnet den Zeitraum, für den ein Unternehmen mit seinen vorhandenen liquiden Mitteln zahlungsfähig bleibt, sofern Einnahmen und Ausgaben auf dem aktuellen Niveau verharren. Er wird in Monaten ausgedrückt und berechnet sich nach der Formel: Runway (in Monaten) = vorhandenes Kapital / monatliche Netto-Burn-Rate.
Zentral ist die Unterscheidung zweier Varianten der Burn Rate: Die Gross Burn Rate umfasst sämtliche monatlichen Ausgaben ohne Berücksichtigung von Einnahmen. Die Net Burn Rate dagegen zieht die Einnahmen von den Ausgaben ab und bildet so die tatsächliche monatliche Geldverbrennung ab - sie ist für die Runway-Berechnung in der Regel die relevante Größe. Verfügt ein Unternehmen etwa über 120.000 Euro und verbrennt netto 10.000 Euro pro Monat, beträgt der Runway 12 Monate.
Der Runway leitet sich aus der Liquiditätsplanung ab und ist gewissermaßen deren verdichtete Kennzahl. Während die Liquiditätsplanung detailliert alle Geldzu- und -abflüsse über die Zeit betrachtet, kondensiert der Runway diese Information zu einer einzigen Steuerungsgröße. Ein negativer Cashflow verkürzt den Runway, ein positiver verlängert ihn. Sobald der Break-even-Point erreicht ist - der Punkt, an dem Einnahmen und Ausgaben gleich hoch sind - verliert der Runway seine Aussagekraft im klassischen Sinne: Bereits ein knapp positiver Cashflow genügt, damit sich das Unternehmen selbst trägt und das vorhandene Kapital nicht mehr aufgezehrt wird. Das gilt allerdings nur, solange der Cashflow ausgeglichen oder positiv bleibt - schwankt er oder wird er erneut negativ, gewinnt der Runway sofort wieder an Bedeutung.
Wichtig: Der Runway ist kein handels- oder steuerrechtlich vorgeschriebener Begriff, sondern ein rein betriebswirtschaftliches Steuerungsinstrument. Da er auf aktuellen Annahmen beruht, ist er eine Momentaufnahme und sollte regelmäßig neu berechnet werden.
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Ein Blick in die Praxis
Am sichtbarsten ist der Runway in der Startup- und Gründerszene. Bei jungen Unternehmen, die noch nicht profitabel arbeiten und sich über Eigenkapital oder Investorengelder (Venture Capital) finanzieren, gehört er zu den wichtigsten Kennzahlen überhaupt. Sätze wie „Wir haben noch 18 Monate Runway“ oder „Mit dieser Finanzierungsrunde verlängern wir unseren Runway auf zwei Jahre“ sind dort Alltag. Die Frage „Wie viel Runway habt ihr noch?“ gehört zu den ersten, die Investoren stellen - sie ist quasi der Puls eines jungen Unternehmens. Als Erfahrungswert gelten 12 bis 18 Monate Runway oft als gesund: genug Zeit, um Meilensteine zu erreichen und die nächste Finanzierung vorzubereiten, ohne unter akutem Zeitdruck zu stehen. Feste Regeln sind das allerdings nicht.
Ein Beispiel aus der Praxis
Das Konzept ist jedoch keineswegs nur etwas für Tech-Startups mit Millioneninvestitionen. Auch wer von der Festanstellung in die Selbstständigkeit wechselt, profitiert davon. Nehmen wir eine selbstständige Lektorin, die mit 9.000 Euro Rücklage startet. In den ersten Monaten übersteigen ihre Ausgaben - Software-Abos, Versicherungen, Lebenshaltung - die Einnahmen um etwa 1.500 Euro monatlich. Ihr Runway beträgt damit sechs Monate. Diese Zahl gibt ihr einen klaren Rahmen: Innerhalb dieser sechs Monate muss ihr Geschäft so weit tragen, dass sich Einnahmen und Ausgaben annähern, andernfalls braucht sie zusätzliche Reserven oder muss Kosten senken.
In wirtschaftlich unsicheren Phasen gewinnt der Runway zusätzlich an Bedeutung: Unternehmen achten dann verstärkt auf ihre Reserven und reduzieren Kosten, um den Runway zu „verlängern“ - im Fachjargon „extending the runway“.
Warum eine saubere Buchführung den Unterschied macht
Ein präziser Runway lässt sich nur berechnen, wenn die Einnahmen und Ausgaben genau bekannt sind. Genau hier kommt eine saubere Buchführung ins Spiel: Die konsequente Erfassung von Einnahmen, Ausgaben und offenen Rechnungen liefert die Datengrundlage für die Burn-Rate-Berechnung. Wer seine EÜR und seinen Cashflow im Blick behält, kann den Runway realistisch einschätzen.
Besonders zu beachten sind offene, noch nicht bezahlte Rechnungen (Forderungen). Sie stellen zwar Einnahmen dar, erhöhen die Liquidität aber erst beim tatsächlichen Zahlungseingang. Ein verzögerter Zahlungseingang kann den realen Runway deutlich verkürzen - ein Punkt, der gerade für Freelancer und kleine Unternehmen mit wenigen großen Kunden existenziell werden kann.
Was es nicht bedeutet
- Runway ist nicht dasselbe wie Gewinn oder Umsatz. Die Kennzahl sagt nichts darüber aus, wie erfolgreich ein Unternehmen am Markt agiert, sondern nur, wie lange das vorhandene Geld bei aktueller Ausgabenstruktur reicht. Ein Unternehmen mit hohem Umsatz kann einen kurzen Runway haben, wenn die Kosten noch höher liegen.
- Runway ist keine statische Größe. Er ist eine Momentaufnahme auf Basis aktueller Annahmen. Ändern sich Einnahmen oder Ausgaben, verschiebt sich der Runway entsprechend - er muss daher regelmäßig neu ermittelt werden.
- Runway ist nicht gleichzusetzen mit der Liquidität allein. Das vorhandene Geld ist nur eine Komponente. Erst im Verhältnis zur Burn Rate entsteht die eigentliche Aussagekraft.
- Ein langer Runway ist nicht automatisch ein Zeichen für Gesundheit. Er kann auch bedeuten, dass ein Unternehmen zu vorsichtig agiert und zu wenig in Wachstum investiert. Umgekehrt ist ein kurzer Runway kein zwingendes Alarmsignal, etwa wenn die Profitabilität unmittelbar bevorsteht.
- Runway ist kein bilanzieller oder gesetzlich definierter Begriff. Anders als die EÜR oder die Bilanz ist er keine vorgeschriebene Kennzahl, sondern ein freiwilliges Steuerungsinstrument.
Dieser Artikel dient zur allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.